english version

Praxisbeispiel DATEV

500 Seiten pro Minute – Recyclingpapier im Hochleistungseinsatz

Die DATEV eG arbeitet als Softwarehaus und EDV-Dienstleistungsorganisation für Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer sowie deren meist mittelständische Mandanten. Im firmeneigenen Rechenzentrum werden unter anderem auf Kundenwunsch Millionen von Lohn- und Gehaltsabrechnungen gedruckt, kuvertiert und verschickt – die Mehrheit davon auf Recyclingpapier. Die Erfahrungen sind durchweg positiv. Allerdings mussten auch bei der DATEV vor der Umstellung einige Befürchtungen aus dem Weg geräumt werden. Schlüssel dazu war die enge Zusammenarbeit mit den Papier- und Geräteherstellern. Das Beispiel der DATEV zeigt, wie erfolgreich im professionellen Druckbereich auf Recyclingpapier umgestellt werden kann.

Ausschlaggebend für die Umstellung waren erwartete Kosteneinsparungen sowie der Wunsch, den Kunden Recyclingpapier als umweltfreundliche Alternative zu holzfreiem Papier bieten zu können. Start für den Umstellungsprozess war ein Beschluss der Geschäftsleitung. Im Anschluss wurden die Kundenbedürfnisse abgefragt. „Die Fragen, die sich uns gestellt haben, waren: Gibt es eine Nachfrage für unser angestrebtes Angebot? Können sich unsere Kunden prinzipiell vorstellen umzusteigen? Nachdem das erste Feedback rundherum positiv war, haben wir die technischen Aspekte in Angriff genommen“, so Rudolf Meyer, Leiter Materialwirtschaft bei der DATEV.

Initiierung des Umstellungsprozesses
Bereits 1982 gab es erste Überlegungen umzustellen. „Zu diesem Zeitpunkt war das Papier noch zu grau und die Qualität war stark schwankend. Die Vorurteile, die man heute gegenüber Recyclingpapier mancher Orten noch hört, gehen fast immer auf diese Zeit zurück.“

1985 sah es schon anders aus: Sukzessive wurde der Anteil von damals zwölf Prozent auf aktuell 50,4 Prozent erhöht. Für die Umstellung wurden Qualitätsprüfungen angestellt, Gutachten erstellt und Testreihen durchgeführt: Dabei war die Zusammenarbeit mit allen an der Produktionskette beteiligten Firmen wichtig. DATEV bezog die Hardwarehersteller, Papierfabriken, Druckfarbenhersteller und Forschungsinstitute mit ein. Auf diese Weise wurde ein wesentlicher Beitrag geleistet, dass Recyclingpapier bereits in den neunziger Jahren allen Anforderungen von Hochleistungsgeräten entsprach. „Heute ist Recyclingpapier ein Hightechprodukt. Unterschiede bezüglich der Qualität gibt es nicht mehr“, sagt Rudolf Meyer.

Die Entwicklungspartnerschaften haben sich ausgezahlt. Recyclingpapiere funktionieren bei der DATEV heute wie holzfreie Papiersorten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Papiereigenschaften optimal auf Hightech-Maschinen abgestimmt wurden. So wurde beispielsweise gemeinsam mit dem Papierlieferanten Steinbeis Temming die Planlage analysiert und die Papierwölbung für den Laserdruck optimiert. Davon profitieren nun alle Anwender, die Recyclingpapier im eigenen Drucker oder Kopierer einsetzen.

Ausführliche Information aller Beteiligten
Neben technischen Anpassungen musste die Umstellung auch kommunikativ begleitet werden. „Ganz zentral war die offene Information aller Beteiligten. Wir haben bestehende Fragen und Bedenken ernst genommen und objektiviert“, beschreibt Meyer einen der ganz wichtigen Erfolgsfaktoren für den Umstellungsprozess. „Die Kunden haben wir auf unseren Hausmessen informiert und dabei entsprechende Papiermuster verteilt.“ Im Anschluss befragte DATEV die Kunden nach ihrer Zufriedenheit. Über die Hauszeitschrift wurden die Mitarbeiter ausführlich informiert, später auch das Intranet miteinbezogen.

„Heute gibt es eine breite Akzeptanz bei allen eingeführten Projekten, das Feedback ist durchweg positiv“. Über 17 Einzelblatt- und 26 Endloslaserdrucker, sowie Hochleistungsfalzmaschinen und 11 Kuvertieranlagen verarbeiten im 3-Schicht-Betrieb Recyclingpapier. Hinzu kommen die Bürokopierer und Drucker bei der DATEV. „Die Entwicklung des Recyclingpapieranteils haben wir immer im Blick. Verbrauchsstrukturen und
-mengen werden laufend ermittelt und im Umweltbericht, bzw. in den Umweltkennzahlen veröffentlicht.“